Augenoptik/Presse
20.05.2005

Zweifelhafte Hilfe - Sind Farbfilterbrillen die Hilfe für Farbfehlsichtige?


Brillen mit Farbfiltern könnten Farbverwechslern helfen.

Neurologie. - Zwei bis drei Millionen Männer in Deutschland haben Schwierigkeiten Farben richtig zu sehen. Die häufigste derartige Fehlsichtigkeit sind Schwierigkeiten, Rot und Grün zu unterscheiden. Ein Göttinger Physiker erklärt jetzt, eine Brille erfunden zu haben, die diesen Männer hilft die Fehlsichtigkeit auszugleichen.

Wirklich "farbenblind" sind nur die wenigsten, die meisten Betroffenen haben eine Sehschwäche, oft auch für bestimmte Farben, etwa Rot und Grün. Die Sinneszellen, die Zäpfchen, sind zwar in der Netzhaut vorhanden, aber diese Rezeptoren sind geschwächt oder fehlerhaft. Die Menschen können zwar die beiden Farben noch wahrnehmen, aber in einem derart reduzierten Maß, dass es für das Gehirn nicht mehr ausreicht. Markus Gregor, Physiker und Erfinder aus Göttingen: "Die ganze Farbverwechslung beginnt schon, wenn der Rezeptor nur um ein paar Prozent abweicht, weil das gesamte Farbensystem so wahnsinnig empfindlich ist." Mit Farbfiltern will Gregor diesen Patienten zu mehr Wahrnehmung verhelfen.

Mit einer selbst entwickelten Testmethode misst Gregor zunächst genau, ob die Zäpfchen für rote, blaue oder grüne Farben im Auge fehlerhaft sind. Die Filter von Gregors Brille schwächen dann genau die anderen Spektren, die in vollem Umfang weitergemeldet werden. Dadurch kommt zwar insgesamt weniger Licht beim Auge an, aber die verschiedenen Komponenten werden gleichgewichtig an das Gehirn weitergemeldet. Nach Gregors Theorie sollte so das Farbensehen wieder funktionieren und 40 Personen hat er nach eigenen Angaben damit schon geholfen. Experten wie der Augenarzt Hermann Krastel von der Uniklinik Heidelberg bezweifeln jedoch, dass Markus Gregor seinen Patienten damit wirklich geholfen hat. Sie könnten zwar bestimmte Verwechslungen vermeiden, andere jedoch nicht. Krastel führt Tests, die das gesamte Farbspektrum abdecken, zum Beleg an: "Wenn ein solcher Farbordnungstest mit Farbfilter gemacht wird, dann unterlaufen dem Probanden auch Verwechslungen, nur andere als die, die er sonst typischerweise macht. Aber keineswegs weniger, sondern eher mehr. Jeder Filter hält ja gewisse Wellenlängen zurück und je weniger Licht auf der Netzhaut ankommt, desto geringer ist die Unterschiedsempfindlichkeit."

Der Heidelberger Augenarzt verweist auf Systeme mit ähnlichen Farbfiltern, die es schon lange gibt und die alle dasselbe Grundproblem haben. Sie funktionieren nur unter definierten Bedingungen, nicht unter den ständig wechselnden Lichtverhältnissen, denen wir ausgesetzt sind. Wirksame Sehhilfen für Farbverwechsler sind darum nicht zu erwarten. Wer doch behauptet, eine gefunden zu haben, der soll es auch beweisen, fordert Mediziner Hermann Krastel. Einen solchen in der Wissenschaft üblichen Beweis ist Markus Gregor bislang jedoch schuldig geblieben. Er gibt noch nicht einmal Einzelheiten seiner Tests preis.

Quelle: Björn Schwentker/ Deutschlandradio