Augenoptik/Presse
23.03.2005

Pressemitteilung bdao


Vermutlich auf Initiative des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlandes e.V. (BVA) ist gegen einen Augenoptiker in Baden-Württemberg eine Polizeiverfügung erlassen worden, die ihm die Abgabe mit dem Ansinnen, ihm die Abgabe von prismatischen Wirkungen zu verbieten.

Nach mehreren Rechtszügen hat darüber nun der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, zu diesem Verbotsversuch entgültig entschieden (Akten-Z. 9 S 216/04). Der Urteilstenor lautet, daß der Augenoptiker sein Klientel darüber aufklären muß, daß die vollständige Augenoptische Versorgung keine ärztliche Fachkenntnis voraussetzt.

Das Gericht hat mit seinem Urteil bestätigt, daß es den Körperzustand der Winkelfehlsichtigkeit gibt, und das es kein krankhafter Zustand ist, der medizinischer Behandlung bedarf.

Nachfolgend das Wichtigste aus der löblichen Urteilsbegründung: Es (Anm.: das vorentscheidende Verw.-Gericht) hat insbesondere überzeugend dargelegt, dass das Erkennen und Messen von "Winkelfehlsichtigkeit" zwar ebenso wenig wie die sich daran anschließende Korrektion dieses Phänomens ärztliche Fachkenntnisse voraussetzt. Denn die Anwendung der Mess- und Korrektionemethode nach H.J. Haase (MKH) dürfte wohl in der Tat ein rein physikalischer, optisch-technischer Messvorgang sein, der insoweit vergleichbar ist mit der Sehschärfebestimmung, d.h. dem so genannten Refraktionieren durch Augenoptiker ( vgl. hierzu BVerwG, Urteil vom 20.01.1966 a.a.O.).

Kommentar: Wenn das Erkennen, Messen und Korrigieren von Fehlsichtigkeit (Winkelfehlsichtigkeit ist eine Fehlsichtigkeitsart) keine ärztliche Fachkenntnis voraussetzt, dann ist ärztliche Fachkenntnis auch nicht zuständig. Umgekehrt: Wenn für irgend etwas ärztliche Fachkenntnis vorausgesetzt wird, dann ist auch nur diese zuständig.

Der Augenoptiker ist also für die vollständige Augenoptische Versorgung zuständig, denn sie erübrigt lediglich die Selbstkorrektion falscher Bildlage, sonst nichts. Die Heilkunde ist für die Heilung von Krankheiten zuständig, aber nicht für die vollständige Augenoptische Versorgung. Wer will dem wiedersprechen? Dank dem Kollegen, der seinen Beruf gegen den Okkupationsdruck der allmächtig auftretenden Augenärzteschaft verteidigt hat.